Parallaktische
Montierung
Bild 1 zeigt eine parallaktische Selbstbaumontierung mit
einem 4-zoll Refraktor auf einem Baader-Stativ.

Bild 1
Die Deklinationsachse ist aus rostfreiem Stahl und hat einen
Durchmesser von 40mm. Sie ist in zwei in O-Anordnung verspannten
Kegelrollenlagern (Typ 32008) gelagert. Zur Aufnahme der Gegengewichte wurde
die Achse auf einen Durchmesser von 30mm abgedreht. Die Gegengewichtsstange ist
relativ kurz, wodurch die Montierung sehr kompakt ist und dadurch gut
transportiert werden kann. Nachteilig ist dabei, dass durch die eingegrenzte
Möglichkeit zum Verschieben der Gegengewichte für unterschiedliche
Teleskopgewichte mehrere Gegengewichte benötigt werden. Da als Gegengewichte
Hantelgewichte benutzt werden, die sehr preisgünstig sind, wird dieser Nachteil
etwas relativiert.
Als Gehäuse für die Deklinationsachse wurde ein dickwandiges
Aluminiumrohr mit einem Außendurchmesser von 80mm und einem Innendurchmesser
von 55mm verwendet. In dieses Rohr wurden die Kegelrollenlager eingepasst. Als
Problem hatte sich ergeben, dass die Achse nicht sauber rund lief, wenn der
Vorschraubring, mit dem die Lager verspannt werden sehr fest angezogen wurde.
Kegelrollenlager sind sehr empfindlich gegen Verkippungen. Offenbar bringt die
altersschwache Drehbank, die zum Bau der Montierung benutzt wurde, hier nicht
mehr die erforderliche Präzision. Rückblickend wäre es besser gewesen, als
oberes Lager ein Kegelrollenlager und als unteres Lager ein Pendelrollenlager
zu verwenden. Bei dieser Montierung wurde ein anderer Weg gewählt. Der
Lagersitz für das untere Lager wurde zwei zehntel Millimeter zu groß
ausgedreht. Dann wurde das untere Kegelrollenlager eingeklebt, wobei der
Vorschraubring bis zum Aushärten des Zweikomponentenklebers kräftig angezogen wurde
in der Hoffnung, dass sich das Lager ausrichtet. Dies hat offenbar auch gut
funktioniert, jetzt dreht sich die Welle auch bei fest angezogenem
Vorschraubring sehr sauber.
Als Material für die Rektaszensionsachse wurde Aluminium
gewählt. Aluminium lässt sich wesentlich einfacher bearbeiten als Edelstahl. Da
die Achse sehr kurz ist, wird die Steifigkeit der Montierung durch die Wahl von
Aluminium nicht negativ beeinflusst. So hat eine einseitig eingespannte
Stahlwelle mit einer Länge von 200mm und einem Durchmesser von 40mm eine
Steifigkeit von etwa 10Mn/m, während eine Alu-Welle mit einer Länge von 60mm
und einem Durchmesser von 50mm eine Steifigkeit von etwa 290Mn/m besitzt (der
Fall der einseitigen Belastung tritt zwar bei der Montierung nicht auf, wurde
aber hier zum Abschätzen genutzt). Gegen eine kurze Welle könnte sprechen, dass
sich der Rundlauffehler der Kugellager bei einer kurzen Welle mehr auswirkt als
bei einem größeren Lagerabstand, wie er mit einer längeren Welle erreicht
werden kann. Da die Montierung aber nur für visuelle Beobachtungen eingesetzt
werden soll, wurde dies in Kauf genommen. Beim Praxistest wurde auch ein
fehlerhafter Rundlauf nicht bemerkt. Kritisch hingegen könnte die Belastung,
besonders des oberen Stundenachslagers durch die ungünstigen Hebelverhältnisse
werden. Aufgrund des Kragarmverhältnisses von etwa 1:2 müsste dieses Lager etwa
die dreifache Last aufnehmen, wenn die Achse horizontal liegen würde. Dies
entschärft sich zwar für die statische Belastung etwas, da die Achse geneigt
ist (man müsste mit dem cos der geografischen Breite multiplizieren),
allerdings dürften die ungünstigen Verhältnisse bei dynamischen Belastungen
(z.B. bei Stößen gegen den Okularauszug des montierten Fernrohrs) bestehen
bleiben. Deshalb wurden für die Stundenachse mit einem Lager des Typs 30210 für
das obere Stundenachslager und 30209 für das untere Lager möglichst steife
Lager gewählt. Das 30210 hat eine radiale statische Tragzahl von 96500N und
dürfte damit für ein vorgesehenes maximales Teleskopgewicht von ca. 20kg bei
einem angenommenen Gesamtgewicht der Deklinationsachse von 40kg (Achse,
einschließlich Teleskop und Gegengewichten) ausreichend steif sein.
Als Gehäuse für die Stundenachse wurde ein massiver
Aluquader gewählt. Das Gehäuse ist mit zwei M12-Schrauben an zwei
Aluminiumplatten befestigt (Bild 2). Die beiden Seitenplatten wurden mit Hilfe
eines zweiten Quaders mit einer massiven Grundplatte verschraubt.
Bild 2
Dadurch wird das Gehäuse der Stundenachse zwischen den beiden
Aluplatten eingeklemmt, wodurch eine sehr steife Anordnung entsteht. Nachteilig
ist, dass sich die Polhöhe nur in engen Grenzen verändern lässt. Dies kann
allerdings dadurch behoben werden, dass die Seitenflächen ausgetauscht werden,
wenn die Montierung einmal in geografischen Breiten eingesetzt werden sollte,
für die die Verstellmöglichkeit nicht mehr ausreicht.
Da Schraubverbindungen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf
die Steifigkeit immer kritisch sind, wurde darauf geachtet, dass immer möglichst
viele Schrauben für eine Verbindung verwendet wurden. So wurde z.B. der untere
Quader mit vier M8-Schrauben auf der Grundplatte verschraubt, jede Seitenplatte
wurde zusätzlich noch mit drei M6-Schrauben mit der Grundplatte verschraubt.
Häufig wird empfohlen Verbindungen zu verkleben. Dies wurde aber (bis auf das
eingeklebte Lager der Deklinationsachse) vermieden, da sich ordentliche
Klebverbindungen meist nicht mehr lösen lassen, wodurch man sich späterer
Änderungsmöglichkeiten beraubt.
Überarbeitete Montierung
Durch die Befestigung des Gehäuses der Deklinationsachse an
der Stundenachse entsteht bei der Montierung in der ursprünglichen Form ein
ungünstiger Kragarm. Obwohl keine praktischen Nachteile beobachtet wurden,
wurde die Montierung überarbeitet (Bild 3).

Bild 3
Dazu wurde an das dickwandige Rohr des Gehäuses der
Deklinationsachse eine Planfläche angefräst. Auf die Planfläche wurde eine
Aluminiumscheibe aufgeklebt und zusätzlich mit Senkkopfschrauben verschraubt. Die
Aluminiumscheibe ist mit vier M8-Schrauben auf der Stundenachse befestigt. Zusätzlich
wird das Gehäuse noch durch eine M12-Schraube gehalten. Diese Schraube ist in
ein Gewinde, welches sich zentral in der Stundenachse befindet, eingeschraubt. Der
Kopf der M12-Schraube befindet sich nicht sichtbar im Inneren des Gehäuses der
Deklinationsachse.