Fernglasbrillen
Es bietet sich an, Ferngläser in Brillenform zu gestalten.
Man hat die Hände frei und kann mühelos einen längeren Zeitraum beobachten.
Natürlich eignen sich nur relativ kleine und leichte Gläser für
Fernglasbrillen.
Fernglasbrille BOS-1
Bild 1 zeigt die Fernglasbrille BOS-1, die 1993 in der
Ukraine im Isjumer Gerätewerk „Dzierzynski “ hergestellt wurde.
Die Brille besteht aus zwei Prismenfernrohren mit 7-facher
Vergrößerung und einem (gemessenen) Objektivdurchmesser von 12,5mm. Der Augenabstand
lässt sich einstellen, fokussiert wird durch Verdrehen der Objektive. Die
Fernglasbrille liefert kontrastreiche und scharfe Bilder und ist recht
leistungsfähig. Allerdings ist die Fusion der beiden Bilder ungenügend. Eine
spezielle Justiereinrichtung ist nicht erkennbar, die Fusion kann aber durch
Verbiegen des Brillengestells erreicht werden. Allerdings ist das Gestell nicht
steif genug um die Fusion stabil zu erhalten.
Laut beiliegendem Pasport ist die Brille für einen
Temperaturbereich von minus 40 bis plus 45 Grad Celsius vorgesehen. Damit
dürfte man im russischen Winter die Brille gut nutzen können, währen man in
tropischen Gebieten leicht den vorgeschriebenen Temperaturbereich überschreiten
kann.

Bild 1: Ukrainische Fernglasbrille mit 7-facher Vergrößerung
Galileisches Besteck Unistar
Eine interessante Entwicklung ist das Galileische Besteck
UNISTAR der Rathenower optischen Werke.

Bild 2: Das Galileische Besteck UNISTAR
Die vorhandenen Teile lassen sich zu einem Opernglas, zwei
monokularen Fernröhrchen und einer Fernglasbrille kombinieren (Bild 3).

Bild 3: Die Geräte, die sich aus UNISTAR kombinieren lassen:
kleines Handfernrohr, Opernglas, Fernglasbrille
Die einzelnen Teile sind bis auf die Brillenbügel und die
Nasenkissen sehr aufwändig aus Metall gearbeitet. Der Brillenbügel ist sehr
steif, wodurch sich die Fusion nicht verändert.
Das vollständige Galileische Besteck kostete in der
damaligen DDR 118,15 Mark plus 14,85 Mark für den Lederbehälter und war damit
schon relativ teuer (der Durchschnittsverdienst eines Industriearbeiters betrug
1970 etwa 750 DDR-Mark brutto, ein Feldstecher Deltrintem 8x30 von Zeiss-Jena
kostete 234,60 Mark der DDR).
Bei der Fernglasbrille lässt sich der Augenabstand durch Verschieben
der beiden Fernrohre verstellen. Ein Nachteil der Fernglasbrille ist deren
relativ hohes Gewicht.
Fernglasbrille der Emil Busch AG
Von der Emil Busch AG wurde eine Fernglasbrille mit
2,5-facher Vergrößerung angeboten. Diese Brille wiegt nach Prospektangaben nur
90 Gramm und hat aufgrund des Objektivdurchmessers von fast 30mm ein für
Galileifernrohre relativ großes Gesichtsfeld von 340 Metern auf 1000 Meter. Die
Konstruktion der aus Blech und Bakelit bestehenden Brille ist gut durchdacht,
sie ist einerseits steif genug um eine dauerhafte Fusion der Fernglasbilder zu
ermöglichen, andererseits ist sie leicht genug um bequem getragen werden zu
können. In einem Prospekt aus den 30-iger Jahren wird ein Preis von 29,50 RM
für diese Brille angegeben. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde diese Brille mit
der Bezeichnung Galistar von den Rathenower optischen Werken kurze Zeit weiter
gebaut (Bild 4).

Bild 4: Fernglasbrille Galistar mit 2,5-facher Vergrößerung
der Rathenower optischen Werke