Fernrohrlupen
Mit einer Sammellinse, die als Vorsatz vor das
Fernrohrobjektiv angebracht wird, kann man ein Fernrohr als Lupe benutzten.
Punkte, die sich in der Brennebene der Sammellinse befinden, erzeugen hinter
der Vorsatzlinse ein paralleles Strahlenbündel. Damit liegen die Bilder, die
von der Sammellinse von Objekten in der Brennebene erzeugt werden, im
unendlichen und können durch das Fernrohr betrachtet werden. Der Arbeitsabstand
dieser Lupe entspricht somit ungefähr der Brennweite der Sammellinse. Die
Vergrößerung der Lupe ist gleich dem Produkt aus der Lupenvergrößerung der
Sammellinse und der Fernrohrvergrößerung.
Bild 1 zeigt eine Fernrohrlupe der Kazaner
Optisch-Mechanischen Werke (KOMZ). Für diese Lupe wird ein monokularer 4x20
Feldstecher verwendet. Zur Lupe gehören 6 Vorsatzlinsen mit Brennweiten
zwischen 500 und 25 Millimetern, womit sich Vergrößerungen zwischen 2x und 40x
realisieren lassen. Die Lupe lässt sich auf einem stabilen Stativ montieren. In
Bild1 ist die auf dem Stativ mit Durchlichttisch montierte Lupe mit 40-facher
Vergrößerung zu sehen.

Bild 1: Russische Fernrohrlupe auf Stativ mit
Durchlichttisch
Die Fernrohlupe besitzt eine sehr solide Mechanik und ist
sehr aufwändig gefertigt. Das Stativ ist relativ schwer und sehr steif, so dass
sich auch die für eine Fernrohrlupe recht Vergrößerung von 40x problemlos
nutzen lässt. Die optische Abbildungsleistung ist sehr gut.
Die Lupe kann in ihre Teile zerlegt werden und die
Einzelteile können in einem stabilen Holzkoffer untergebracht werden (Bild 2).

Bild 2: Fernrohrlupe im Holzkoffer
Diese Fernrohrlupe ist offensichtlich für eine
ausschließliche Verwendung als Lupe gedacht, obwohl man das Fernglas auch
alleine als solches nutzen kann. Solche Instrumente wurden in ähnlicher Form
auch in der ersten Hälfte des 20. Jh. von Zeiss-Jena angeboten.
Viele Hersteller bieten Vorsatzlinsen für ihre Ferngläser
an, damit diese zusätzlich als Fernrohrlupe benutzt werden können. Bild 3 zeigt
z.B. das Kleinfernrohr Turmon 8x21 von Zeiss-Jena mit einer Vorsatzlinse.

Bild 3: Kleinfernrohr Turmon 8x21 von Zeiss-Jena mit einer
Vorsatzlinse
Die Prismenkörper von monokularen Porro-Gläsern wurden auch
in reinen Stereomikroskopen des Greenough-Typs zu Bildumkehr eingesetzt. Bild 4
zeigt ein solches Stereomikroskop.

Bild 4: Stereomikroskop 8,75x, Made in USSR nach Greenough
Dass für das in Bild 4 gezeigte Mikroskop tatsächlich die
Prismenkörper vom Porro-Gläsern benutzt wurden, zeigt Bild 5.

Bild 5: Kopf des Stereomikroskops 8,75x (im Bild rechts) und
monokularer Feldstecher 8x30 von KOMZ (im Bild links)
Wie in Bild 5 zu erkennen ist, befinden sich an den
Prismenkörpern des Stereomikroskops noch die Stege zur Befestigung eines
Trageriemens. Wenn die Prismenkörper ausschließlich für die Bildumkehrung des
Stereomikroskops konstruiert worden wären, dann hätten diese Stege keinen Sinn.
Zum Vergleich ist in Bild 5 noch ein monokulares Prismenglas 8x30 zu sehen.