Der Optiksatz zum Basteln von Zeiss-Jena
Der Optiksatz zum
Basteln von Zeiss-Jena
Mit Hilfe des Optiksatzes dürften sich viele Sternfreunde
den Traum vom ersten eigenen Fernrohr erfüllt haben. Er war erschwinglich und
von hervorragender Qualität. Laut einer Preisliste von Zeiss-Jena aus dem Jahr
1967 kostete der Optiksatz 125,99 DDR-Mark. Dies war etwa die Hälfte von dem,
was ein Zeiss-Jena 8x30 Feldstecher gekostet hatte. Das billigste
Komplettfernrohr in der Preisliste war das Schulfernrohr 63/840 auf einfacher
parallaktischer Montierung. Dieses kostete damals 1349,05 Mark der DDR und
damit mehr als zwei Monatsdurchschnittslöhne.

Bild 1: Optiksatz zum Basteln von Zeiss-Jena, der hier
abgebildete Satz wurde 1970 gekauft
Der Optiksatz bestand aus einem Achromatischen Objektiv
50/540, zwei Hygens-Okularen mit 16 und 25mm Brennweite, einer Okularsteckhülse
und einer Anleitung zum Selbstbau eines Fernrohrs. Wer sein Fernrohr erweitern
wollte, konnte ein orthoskopisches Okular mit 10mm Brennweite für 59 und ein
ebensolches Okular mit einer Brennweite von 6mm für 69,50 DDR-Mark hinzu
erwerben. In den späten 70-ziger und den 80-ziger Jahren waren diese Artikel
zwar in den DDR manchmal schwer zu bekommen, mit etwas Geduld (bzw. etwas zum
Tauschen oder Westgeld) waren die Artikel aber beschaffbar.
Das Objektiv war ursprünglich ein zweiteiliges Objektiv vom
Fraunhofertyp mit Luftspalt. Später (wahrscheinlich in den siebziger Jahren)
wurde rationalisiert und das Objektiv als Kittglied angeboten. Dies war eine
sehr vernünftige Maßnahme. Die Abbildungsgüte dieses ausgezeichneten Objektivs verschlechterte
sich dadurch nicht merklich, während sich der Herstellungsaufwand deutlich
verringert haben dürfte, da sich ein verkittetes Objektiv einfacher und
stabiler fassen lässt. Es ist eigentlich nicht zu verstehen, dass hier die
Anbieter neuerer Kleinfernrohre nicht von Zeiss gelernt haben. Beim verkitteten
Objektiv lässt sich zwar die Koma im Feld nicht korrigieren, dies stört aber
bei so einem kleinen Fernrohr nicht bzw. die Korrektur lässt sich durch
entsprechende Glasauswahl verbessern. Das Verkitten dürfte, zumindest bei
Objektiven bis zu einem Durchmesser von 70mm, technologisch kein Problem sein.
Deshalb wäre es vernünftiger kleinere Objektive zu verkitten, anstatt zu
versuchen Objektive mit Luftabstand (bei denen die beiden Einzellinsen mit sehr
geringen Toleranzen bezüglich Abstand und gegenseitiger Verkippung gefasst
werden müssen) in unpräzise und damit nicht geeignete Plastefassungen zu quetschen.
Mit verkitteten Objektiven ließe sich die Abbildungsgüte von Billigfernrohren
im Durchschnitt jedenfalls wesentlich erhöhen, selbst wenn das Kittglied in
einer einfachen Plastefassung sitzt.
Da es heute kaum Objektive für Kleinfernrohre mit annähernd der
Qualität des Zeiss 50/540–Achromaten gibt, ist dieses Objektiv bei selbst
bauenden Sternfreunden immer noch sehr beliebt und es werden entsprechende
Preise gezahlt.
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